Die Erwartung im ursprünglichen Sinn (=Zuversicht) ist die Antriebsfeder für unser Tun und Handeln. Projektion ist wesentlicher Bestandteil unseres Erlebens.
Das Wesen der Erwartung
Das Erwartete ist per Definition das, was im Moment noch nicht in Erscheinung getreten ist. In wie weit das Erwartete tatsächlich eintrittbar, also manifestierbar ist, unterliegt gewissen Faktoren. Ein Schöpfungsprinzip lautet: es kann nur das in Erscheinung treten, was potentiell vorhanden ist, potentiell existiert. Das, was potentliell nicht vorhanden ist, kann sich nicht manifestieren. Die Erwartung in Form von Zuversicht; das ist die Gewissheit und das Fühlen, dass etwas Bestimmtes in Zukunft eintritt, entspricht weitgehend diesem Schöpfungsprinzip.Das Wesen der Projektion
Die Definition von "Projektion" ist nicht minder einfach, denn auch sie ist eine Sache der Perspektive. Das, was wir im Aussen erleben, ist dass, was in uns ist und dass, was von uns erfahren werden will. Das, was wir im Aussen erfahren, ist das, was wir in der Form dieser Erfahrung in uns zurücknehmen, integrieren. "Projektion" bedeutet, einen bestimmten Inhalt nach Aussen zu stellen. Da wir uns als getrennt vom Aussen erfahren, bzw. das Aussen als getrennt von uns, sind wir dieser Projektionen nicht bewusst. Aus der spirituellen Sicht gesehen ist die Trennung eine Illusion. Die Getrenntheit ist nicht wirklich. Sie hat sich allerdings kulturgeschichtlich derart in unseren Köpfen festgesetzt, dass sie als solche, als Getrenntheit, erlebt wird. Und doch ist die Illusion des Abgetrenntsein nützlich, denn ohne diese Abtrennung ist es unmöglich, Inhalte in Erfahrung zu bringen. Erfahren bedeutet, dass etwas ins Aussen gestellt wird, um erlebt (=erfahren) werden zu können. Es ist der Prozess des Lebens. Was uns Schwierigkeiten bereitet ist die Dichotomie, dieses Themas: einerseits erscheint die Projektion als reales Erlebnis und andererseits ist sie illusionär. Sie ist beides; je nachdem aus welcher Richtung man sie betrachtet.Erwartungen und Projektionen in der Partnerschaft
Unbewusste Erwartungen und Projektionen konzentrieren besonders im zwischenmenschlichen Bereich. Niemand ist völlig frei davon. Umso näher sich Menschen sind, desto grösser können Erwartungen und Projektionen werden. Diese Prozesse laufen unbewusst ab.
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Wir suchen unsere Partner aufgrund unserer inneren, gegengeschlechtlichen Anteils aus. Dieser wird in der Partnerschaft unbewusst auf den Partner projiziert. Hier manifestieren sich unsere Projektionen. Diese sind ein mehr oder weniger bewusste Bilder aus uns heraus, also Bilder eigener Anteile von uns, welche auf den Partner übertragen werden. So gesehen ist das, was wir am Partner "lieben", eigentlich etwas von uns selbst. Wir lieben uns selbst auf den Umweg über den Partner, ohne es zu wissen. |
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Das Phänomen in der Partnerschaft ist, dass beide Beteiligten diese gegenseitigen Projektionen erleben. Hier kommen die Emotionen ins Spiel, weil wir etwas im Partner wieder finden ... uns selbst ... als Projektion. Dies erklärt die innigen Gefühle, die zwischen Paaren entstehen. Sie sind Ausdruck der Liebe. Allerdings ist das, was sich dann oftmals daraus entwickelt, keine Liebe mehr, sondern das Resultat von unbewussten Erwartungen, emotionalen Anhaftung usw. Eine solche Situation bedeutet Abhängigkeit, Manipulation, Besitznahme, Gefangensein. Es ist die Fahrkarte zu unglücklich erlebten Beziehungen. Am Anfang einer Partnerschaft sind viele versucht, sich von dem, was sie sind, zu entfernen. Sie verändern unbewusst ihr Verhalten, indem sie sich nach dem Partner ausrichten. Sie tun Dinge so, wie sie meinen, es der Partnerschaft förderlich ist; d.h. man tut etwas anderes, als was man täte, wenn man allein wäre. Man bringt sich in den Selbstverzicht und erwartet das vom Partner ebenso. Doch auch dies geht auf Dauer nicht gut, denn irgendwann bricht das, wie man eigentlich sein oder handeln will, hoch und der Partner ist völlig erschreckt, dass der Gegenüber auf einmal "so anders" ist und sich "verändert" hat. Dabei ist er bloss zu sich selbst zurückgekehrt. Sicher, man versucht sich, von der besten Seite zu zeigen, aber sich selbst dem Partner zuliebe zurückzustellen bedeutet ein Verlust der eigenen Integrität und Authenzität. Der Weg ist frei für Manipulation und Machtspielchen. |
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Um eine Partnerschaft fruchtbar zu leben, ist es wichtig, dass sich die Partner über ihre Erwartungen und Projektionen bewusst werden. Ebenso wichtig ist die gemeinsame Zielsetzung und die Entscheidung, den Weg gemeinsam zu gehen und auch zu wissen, dass Steine auf diesem Weg liegen können. Es ist wichtig, zu unterscheiden zwischen einer bewussten Entscheidung und einer unbewussten Erwartung.
Über Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit: Die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und grossartige Pläne und das ist es, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet, dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält. Alle möglichen Dinge ereignen sich, um diesem zu helfen, Dinge, die sich sonst nie ereignet hätten. Ein ganzer Strom von Ereignissen ergibt sich aus der Entscheidung. Sie ruft für jenen, der die Entscheidung getroffen hat, alle möglichen Vorkommnisse und Zusammenkünfte und stoffliche Hilfe hervor, von der kein Mensch sich hätte träumen lassen, dass sie auf diese Weise eintreffen würden. Was immer Du tun kannst, oder wovon Du träumst, Du könntest es tun: BEGINNE DAMIT Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich. BEGINNE ES JETZT (Johann Wolfgang von Goethe) |
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In der Partnerschaft sind Beide gefordert, sich zu entwickeln. Wenn sie es gemeinsam tun, so ist es fruchtbar für die Partnerschaft. Macht es nur einer, und der andere bleibt "zurück", so entwickeln sich die Energie auseinander. Entwickelt sich keiner von Beiden, so entsteht Stillstand. |
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Leider werden die meissten Partnerschaften zwecks gegenseitiger Bedürfnis-Stillung gelebt und erhalten. Da, wo Bedürftigkeit, Erwartung und Eifersucht ist, findet die Liebe keinen Platz. Liebe und Bedürftigkeit sind Begriffe, die oft mit einander verwechselt werden. Bedürfigkeit ist der grösste Liebe-Vertreiber. "Bedürftigkeit" ist das, was wir empfinden, wenn wir uns vorstellen, dass es etwas ausserhalb von uns gibt, was wir jetzt nicht haben, wir es aber brauchen, um glücklich zu sein. Weil wir glauben, dass wir es brauchen, werden wir alles tun, um es zu bekommen. So leben wir einen "Bedürfnisaustausch" oder "Bedürfnishandel" und nennen dies "Liebe". Gekoppelt an die Bedürftigkeit ist die Erwartung, denn im Rahmen dieses Bedürfnishandels liegt ja die Erwartung, dass der Gegenüber sich an den Handel hält. Tut er das nicht, sind alle Wege offen für die Eifersucht, denn der "Handelspartner" könnte ja wo anders seine "Geschäfte" abwickeln. Dass aus dieser Einstellung natürlich viel Schmerz und Leid hervorgeht, ist unumgänglich. Unbewusste Erwartungen gehen einher mit emotionaler Anhaftung. Man sorgt nicht für seine eigenen Gefühle, sondern man lässt sorgen und bringt sich so in eine tiefe Abhängigkeit. Die Partnerschaft wird zur Droge und Sucht. Einer unbewussten Erwartung folgt oftmals die Enttäuschung. Ent-Täuschung heisst Aufhebung einer Täuschung. Der Enttäuschte kann dem Täuschenden (ja, derjenige, der die Erwartung auf sich projiziert bekommen hat ist tatsächlich, wenn auch passiverweise, der Täuschende) dankbar sein, dass der Täuschende ihn von seiner Täuschung befreit hat. Stattdessen ist der Enttäuschte wütent (Emotion!) oder am Boden zerstört. Erwartungen an den Partner fördern eine gefilterte Wahrnehmung in Bezug auf den Partner und die Partnerschaft. Sie verhindern, dass man seinen Partner so sehen und nehmen kann, wie er ist. Stattdessen wird erwartet, wie er zu sein hat und man wird enttäuscht, wenn er nicht so ist, wie man es von ihm erwartet. In Bezug auf Erwartungen könnte sich jeder selbst die Frage stellen, ob man sich selbst seinen Erwartungen gegenüber genügt; was damit gemeint ist, ist, dass man nicht etwas von jemanden erwartet, was man selbst nicht tut. Man sollte in der Partnerschaft auf jeden Fall über Erwartungen sprechen. Die nicht ausgesprochenen Erwartungen richten viel Unheil an. Wenn man Erwartungen gegenüber Anderen sehr reduziert; das heisst, sich davon freimacht, gewisse Verhaltensweisen zu erwarten...eine weitere Form der Freiheit, die man sich selbst und dem Gegenueber schenkt. Erwartungen erzeugen Druck für beide Seiten. Man setzt sich unter Druck ob der Erwartungshaltung und man wird unfrei für andere Wege und der Gegenüber ist dann auch unter Druck, wenn er der an ihn gestellten Erwartung bewusst ist, was sich einschränkend auf das Verhalten auswirkt. Die Wahl der Partnerschaft ist nicht zufällig. Man fühlt sich zu Menschen hingezogen, von denen man fühlt, dass sie "Seinesgleichen" sind; die Auswahl ist affinitätsbezogen. Das hat nichts mit Erwartungen zu tun. Erwartungen sind meisst unbewusst und kommen zum Ausdruck, wenn man vorab gewisse Verhaltensvorstellungen hat, deren Erfüllung vom Partner erwartet wird. Hält der Partner diese Erwartung nicht ein, ist Stress vorprogrammiert. Man fühlt sich wegen dem Verhalten des Partners geärgert. Tatsächlich hat man in diesem Fall den Partner für die eigenen Emotionen und für das eigene Wohlsein verantwortlich gemacht. Doch für die eigenen Emotionen ist man selbst verantwortlich und sonst niemand. Es ist wichtig, emotionale Anhaftungen zu lösen. Viele Menschen haben aufgrund gesellschaftlicher und angelernter Verhalten Schwierigkeiten mit der Übernahme von Selbstverantwortung; Verantwortung für sich zu übernehmen. Immer scheinen die Anderen schuld zu sein. Auf der Ebene der Partnerschaft, der engsten zwischenmenschlichen Beziehung, kann man diesbezüglich viel herauslesen und lernen. Ein weiterer Aspekt ist die Partnerschaft als Chance zur persönlichen Entwicklung. Wie schon weiter oben gesagt, ist die Partnerschaftswahl nicht zufällig. Der jeweilige Partner spiegelt aktuelle Aspekte, die bearbeitet werden wollen. Meisst handelt es sich hierbei um die weniger gemochten Aspekte. Sie kommen erst dann zum Vorschein, wenn die Phase der Verliebtheit vorübergegangen ist. Die Verliebtheit und die daraus gefühlte Liebe macht es möglich, sich mit diesen Aspekten auseinander zu setzen, statt sich vom Partner zu trennen. Die Liebe gibt solchen Aspekte die Chance zur Erlösung. Umso bedingungsloser unsere Liebe wird, umso freier werden wir von Anhaftung, Erwartung und Projektion. Liebe kann da wachsen, wo das Denken zurücktritt. |
Text von Christian Malzahn
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