Die Liebe

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Liebe ist ein Phänomen. Liebe ist schwer beschreibbar, denn sie findet jenseits des Begreifbaren und des Denkens statt. Trotzdem kann man die Liebe in ihrer mannigfaltigen Ausdrucksform erfassen, denn sie ist überall und allumfassend. Sie kennt keine Grenzen. Wenn wir in Resonanz mit ihr sind, sind wir in ihr. Liebe ist niemals abwesend; vielmehr sind wir es, die von Liebe abwesend sind, wenn wir keine Liebe spüren.

Liebe will verströmen, vereinen, verschmelzen, Grenzen öffnen. Liebe erwartet nicht, sie ist nicht eigennützig, sie beansprucht nichts, vergibt alles, wertet nicht, sie drängt sich nicht auf; sie ist ohne Bedingung, ohne Erwartung, ohne Bedürfnis. Liebe IST ganz einfach.

Liebe ist äusserst kraftvoll, sie ist göttliche Essenz. Durch ihr Verströmen, Vereinen und Verschmelzen hebt sie alle Grenzen auf.


Alpenlilie Ein grosses Problem ist das allgemeine Verständnis über dass, was man heute für "Liebe" hält, was Liebe ist, was Emotion ist und dass emotionale Anhaftungen mit Liebe verwechselt werden; bzw. dass emotionale Problematiken mit Liebe gleichgesetzt werden.

Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir drei Worte für "Liebe": ein Wort für Liebe im spirituellen Sinn, ein anderes Wort für die Emotionalität und Anziehungskraft zwischen den Menschen und ein Wort, welches spirtuelle Liebe, Emotionalität und Anziehungskraft vereint.

Aus dem Verständnis heraus, dass Liebe in ihrer Essenz keine Emotion ist und das Liebe ebenso kein emotionales Anhaften ist, kann man sehr viel in neuem Licht betrachten. Die Liebesfähigkeit ist bei vielen Menschen wenig entwickelt. Deshalb geschehen unter dem Aspekt "Liebe" so viele Dramen und es gibt viele Missverständnisse.

Die drei häufigsten Ansichten in Bezug auf die Liebe sind die Gleichstellung der Liebe mit Sexualität, die Reduzierung der Liebe auf Gefühle und Partnerschaft und die Gedankenbrücke, welche die Liebe in einem Atemzug mit Leid und Hass in Verbindung bringt.

Die grossen Davontreiber der Liebe heissen "Bedürftigkeit", "Erwartungen" und "Eifersucht".

Was gemeinhin unter "Liebe" verstanden wird, sind oftmals projizierte Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste, Erwartungen, Besitzansprüche und Triebhaftigkeit.

Sicher, die Liebe findet Ausdruck in der Zuneigung, in der Liebe zum Partner (und Eltern, Tieren und Sonstiges); aber ein Ausdruck in Bezug darauf ist nicht automatisch mit Liebe gleichzusetzen; weil ein Ausdruck, der nach Liebe auszusehen scheint, aus seiner stiftenden Motivation heraus auch etwas Anderes sein kann. Die Liebe spüren wir auf der Gefühlsebene, bzw. auf der emotionalen Ebene, aber Liebe ist nicht gleich Gefühl oder Emotion; vielmehr Liebe ist ein Seins-Zustand. Auch Gefühle und Emotionen können in ihrer stiftenden Motivation etwas Anderes als Liebe sein.


Liebe und Bedürftigkeit sind Begriffe, die oft in einen Topf geworfen werden.
Jedes Gefühl, wie "ohne Dich kann ich nicht sein" oder "ohne Dich will ich nicht leben" oder ähnliches, ist nicht Liebe. Aber leider werden gerade diese "romantischen" Attribute kollektiv als "Liebe" verstanden. Die emotionale "Schmacht" hat ganz andere Gründe. Diese Schmacht ist Ausdruck eines tief in der Seele sitzenden Defizits. Ich habe bei diesem Bild immer das verletzte, traurige, emotional vernachlässigte, sehnsüchtige Kind im Sinn; das Innere Kind. Die Partnerschaft muss dann dafür herhalten, die Sehnsüchte des Inneren Kindes zu stillen. Zwei "Kinder" kommen da zusammen in ihrer gegenseitigen Bedürftigkeit. Liebesfähigigkeit braucht Zeit, um sich entwickeln zu können. Haben wir in der Kindheit wenig Liebe und Zuwendung erfahren, so stellt diese sich nicht automatisch im Erwachsenenleben ein. Es bleibt ein Defizit in der Liebesfähigkeit und wir sind versucht, dieses Defizit über die Partnerschaft wieder einzuholen. Im übernächsten Abschnitt greife ich das Thema nochmal auf.

Bedürfigkeit ist der grösste Liebesvertreiber. "Bedürftigkeit" ist das, was wir empfinden, wenn wir uns vorstellen, dass es etwas ausserhalb von uns gibt, was wir jetzt nicht haben, wir es aber brauchen, um glücklich zu sein. Weil wir glauben, dass wir es brauchen, werden wir alles tun, um es zu bekommen. So leben wir einen "Bedürfnisaustausch" oder "Bedürfnishandel" und nennen dies "Liebe". Gekoppelt an die Bedürftigkeit ist die Erwartung, denn im Rahmen dieses Bedürfnishandels liegt ja die Erwartung, dass der Gegenüber sich an den Handel hält. Tut er das nicht, sind alle Wege offen für die Eifersucht, denn der "Handelspartner" könnte ja wo anders seine "Geschäfte" abwickeln. Dass aus dieser Einstellung natürlich viel Schmerz und Leid hervorgeht, ist unumgänglich.

Brauchen und gebraucht werden gehört eigentlich zum Thema "Liebe und Bedürftigkeit", aber ich widme dem Brauchen und Gebraucht werden einen besonderen Absatz. Meiner Meinung nach hat das Brauchen und die Bedürftigkeit mit dem, was Liebe ist, wenig oder gar nichts zu tun hat.
"Ich brauche Dich weil ich Dich so sehr liebe" drückt Bedürftigkeit aus. Ich bezeichne die Kombination "Liebe-Brauchen-Aufgeben" als Liebeskrankheit.

Das Brauchen und Gebraucht werden und auch Verzicht beziehen sich auf die Beziehung von Eltern zum Kind. Das Kind braucht Mutter/Vater. Eltern verzichten für diese Zeit aus Liebe zum Kind auf gewisse Bereiche ihres Egos. Sie bekommen das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Aufgabe der Eltern ist es, dem Kind den Weg in die Welt zu weisen, damit das Kind die Eltern nicht mehr braucht wenn es gross ist. Wenn das Kind das die Eltern nicht mehr braucht, wird auch Aufgeben und Verzicht der Eltern obsolet. Aber bemerkenswerterweise wird dieser Aspekt der Liebe; die Liebe von Eltern zum Kind, auf die partnerschaftliche Beziehung übertragen. Das Brauchen und Aufgeben wird aufrechterhalten. Ich komme hier zum Fazit, dass das ganze Theater um das Brauchen, Verzichten und Aufgeben mit den ungestillten Bedürfnissen des Inneren Kindes zu tun hat, was mich zu folgender Aussage bringt: Die Liebesfähigkeit hat sich bei den Meissten nicht über die Kinderstufe herausentwickelt. Deshalb geschehen unter dem Aspekt "Liebe" so viele Dramen und so viele Missverständnisse.

Was die meissten vergessen haben: es kann niemals im Aussen gefunden werden, was nicht in einem selbst ist. Das, was in einem fehlt, kann nicht vom Aussen gefüllt werden. Man kann seine Erfüllung mit jemanden teilen, aber man kann sie nicht von jemanden bekommen.

Das Gefühl "ohne Dich kann ich nicht sein" ist für mich ein absolutes Alarmzeichen, denn es impliziert, dass man im Aussen etwas sucht, was nicht in einem ist. Das Gefühl, die eigene Erfüllung nur im Gegenüber finden zu können, ist fatal. Dem Anderen wird aufgebürdet, ein "Loch" zu füllen, aber diese Bürde kann niemand tragen, denn es handelt sich hier nicht um ein Loch, sondern um ein Fass ohne Boden, ein schwarzes Loch von Bedürftigkeit, Abhängigkeit, ein emotionales Trauma. Bedürftigkeit und Abhängigkeit sind nicht Liebe.

Ich schrieb einmal zu jemanden:

...Ab einer gewissen Reife kommt man aus dem emotionalen Brauchen heraus. Wenn Du Erfüllung suchst und sie ist nicht in Dir, kannst Du zwar im Aussen immer wieder suchen, aber sie wird nicht dasein, denn solange sie nicht in Dir ist, kannst Du sie im Aussen nicht finden. Wenn sie in Dir ist, kann sie vom Aussen nicht weggenommen werden. Die Bedürfigkeit ist immer ein Zeichen, dass einem etwas fehlt, aber auch hier verhält es sich so: Im Aussen ist niemals das zu finden, was im Innern nicht ist.


Liebe und Leid: Leid kann für uns auch da beginnen, wo der Austausch der Liebes-Energie einseitig wird. Wir spüren schmerzhaft, wenn der Partner aus unserer Liebesbeziehung aussteigt. Schaffen wir es nicht, den Austausch wieder ins Gleichgewicht zu bringen so folgt als Konsequenz daraus früher oder später die Trennung. Die Liebe geht, wenn das Denken die Kontrolle übernimmt. Das Denken nimmt der Liebe den Raum.

Manchmal brauchen wir das Gefühl von Leid, um zu uns selbst zurückzufinden, uns selbst wieder zu fühlen. Leid ist überbrückbar durch loslassen und den Mut, Altes gehen zu lassen und die Fähigkeit, sich dem Lebensfluss neu zu öffnen.

"Liebe und Leid" ist eine derart viel gelebte Kombination, sodass viele von uns der Meinung sind, Liebe und Leid seien unzerstrennlich.
Leid ist unter anderem ein Resultat der Bedürftigkeit. Bedürftigkeit kommt dan zm Vorschein, wenn wir nicht bekommen, was wir zu brauchen meinen. Doch tiefer betrachtet ist Leid auch Resultat von Widerstand, Erstarrung und Stagnation. Wann immer wir Leid erfahren, so ist es ein Hinweis, dass wir uns in Widerstand in Bezug auf unseren Lebensfluss befinden. Widerstände, die sehr tief in uns stecken, können in Form von Leid zu Tage treten, um zur Erlösung zu kommen. Allerdings ist es für uns bequemer, unbewusst über diese jeweiligen Widerstände zu bleiben und so projizieren wir lieber Verantwortung und die Schuld nach Aussen, und schon sind wir scheinbar "aus dem Schneider"; nur scheinbar, weil wir dann in eine Opferrolle schlüpfen. So hat das Leid weiterhin Bestand, statt das wir es zur Erlösung bringen. Die Partnerschaft ist natürlich ein grossartiger Austragungsort für das Liebe-Leid-Spiel. Wer aber dieses Spiel durchschaut, kann sich und vielleicht auch seine Partnerschaft in den Seins-Zustand der Liebe bringen.

Leid kann man sogar als ein Geschenk betrachten, wenn man willens ist, sich seine eigenen Widerstände bewusst zu machen; wer mit dem beurteilen aufhört. Das vom Aussen erlebte Leid ist nicht Ursache, sondern lediglich Befreier von tief in uns sitzendem Schmerz, Kummer und alten Verletzungen. Wer Verantwortung für sich übernimmt, der wird fähig zur Veränderung; was in Beziehungsfragen zu einer partnerschaftlichen Zusammenführung, als auch zur Trennung führen kann. Liebe ist nicht Leid, sondern vielmehr hat Leid in der Liebe Chance, erlöst zu werden; was immer auch das Leid in uns sein mag, ob Ängste, ein inneres Kind, Widerstand; Erwartungen und was auch immer da sonst noch verborgen sein mag.

Liebe und Hass: Die Kombination "Liebe und Hass" fällt in eine ähnliche Thematik wie "Liebe und Leid". Hass ist eine negative Form der Zuwendung; die Verbindung des Hassenden mit dem Verhassten. Man hasst alles, was man in sich selbst nicht leiden kann. Hass ist eine Projektion. Bringe Liebe in Dir zum verströmen und die Projektion wird sich auflösen.

Liebe und Sexualität: man spricht oft von "Liebe machen". Nun, was hier auf körperlicher Ebene geschieht, ist in der Tat Auflösung und Verschmelzung.
Wenn Sexualität in Liebe geschieht, so wird das Erlebnis eines Paares ins Göttliche erhoben. Es ist etwas sehr Intimes, Vertrautes. Ein Paar, das in Liebe ist, wird auch in Liebe körperlich miteinander verschmelzen wollen. Wenn wahre Liebe zwischen den Partnern ist, so werden sich auch beide der Einmaligkeit ihres sexuellen Erlebens bewusst.

Die Heiligkeit und Spiritualität der körperlichen Vereinigung ist nicht jedem von uns bewusst. Ich empfehle jedem Paar, sich auf die Kraft und Heiligkeit ihrer Sexualität einzulassen. Wenn wir als Paar im Rahmen des intimen Zusammenseins in ekstatischen Zuständen sind, so können wir die freigesetzten Kräfte einmal ganz bewusst durch unsere Körper ziehen, durch alle Chakren. Dabei öffnen wir unser Kronenchakra, so dass diese Kräfte auf die Ebenen unserer feinstofflichen Körper einfliessen können und uns gegenseitig stärken. Göttliche Liebe.

Der körperliche Akt funktioniert aber auch ohne Liebe. Wenn die Liebe zum lieblosen körperlichen Akt reduziert wird, bleibt nur noch der unreflektierte Trieb zurück.


Für mich sind diese beiden Begriffe (Liebe und Körperlichkeit) untrennbar. Liebe und Sexualität kommunizieren miteinander. Erfahren in der Beziehung bedeutet leben zu zweit- erleben zu zweit. Eine Trennung dieser beiden Bereiche ohne negative Folgen ist für mich undenkbar. Ausschließlich geistig-seelischer Art zu lieben, kann dem Körper Qualen bereiten. Nur auf sexueller Ebene zu Wirken kann Körper und Geist schädigen. Die Liebe ist "all- umfassend", umfasst also die körperliche sowie geistig/seelische Ebene der Liebe.

Die Liebesfähigkeit ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Wir werden von Erfahrungen, äußeren Einflüssen und bestehenden Werten unserer Gesellschaft geprägt. Hier wird die Sexualität schon unter den Teppich gekehrt und als etwas Schmutziges im Verborgenen gehalten. Der Gedanke, Sexualität sei schlecht, oder komisch, oder unnatürlich, spukt in vielen Köpfen. Dennoch werden wir immer von unserm Körper daran erinnert, ja sogar aufgefordert, danach zu suchen. Kann etwas, dass in uns allen herrscht, schlecht sein? Sicher kann es bei dem einen mehr, dem anderen wenig ausgeprägt sein, aber spüren tun wir alle einmal das Drängen nach der körperlichen Erfüllung. Ähnlich verhält es sich mit der geistigen Entwicklung. Auch hier gibt es Menschen, die sich mehr oder ausschließlich in diese Richtung entwickeln. Da aber Liebe allumfassend ist, kann und sollte man meiner Meinung nach Liebe und Sexualität keinesfalls trennen. Man würde das Gleichgewicht eines Menschen stören. Ich bin überzeugt davon, dass die allumfassende Liebe zwischen zwei Menschen nur entsteht, wenn diese beiden Faktoren bei jedem der beiden in ähnlicher Weise entwickelt sind. Treffen also zwei Menschen in dieser bereits erreichten Entwicklung zusammen, kann wahre Liebe fliessen.

Der Körper ist die Brücke von Mensch zu Mensch. Überschreiten Beide gleichzeitig diese Brücke, kann es zu einer Begegnung beider Seelen kommen. Das verstehe ich unter Verschmelzung. Anders als in der Meditation, wo wir den Körper ausschalten, um den Geist zu erfahren, erleben wir während der wahren Liebe Körper und Seele und somit ein Stück von allem (=allumfassend).

So wie auf der Welt alles in Verbindung steht, ist auch in unserem Körper alles miteinander verbunden. Trennen wir etwas davon ab, trennen wir auch etwas von allem anderen ab. Überwiegt in uns der eine oder andere Teil, so sind wir nicht im Gleichgewicht und fallen aus der Harmonie.

Wir alle haben auf dieser Welt eine vordergründige Aufgabe. Wir sollen glücklich sein. Und haben wir dazu nicht ein wunderbares Geschenk erhalten? Liebe und Körperlichkeit!

(Heike Panzer - "Herzensflut")



Liebe und Wille: Wahrer Wille ist das, was uns geschieht; der Wille unserer Seele, unseres Selbsts. Der Wille, den wir als "wollen" verspüren, entstammt unserem Ego. Vielen ist der Auspruch von A. Crowley bekannt, welcher endet mit "Liebe unter Willen". Viele verwechseln den Willen der Seele mit dem Willen des Ego. Den Willen des Ego nenne ich "gewollter Wille". Liebe kann nicht unter einen "gewollten" Willen gestellt werden, weil Liebe sonst nicht wäre, was sie ist, nämlich Liebe. Liebe ist unter gar nichts; sie IST einfach und wer versucht, sie zu beugen und unter den Willen zu bringen, handelt in Wahrheit lieblos. Wille jedoch kann in Liebe geschehen und der Wille unseres Selbsts geschieht in Liebe zu uns.
Wir können bei Entscheidungen immer folgende Formel mit einschliessen: was würde die Liebe tun?





Liebe in der Partnerschaft


"Liebe ist anteilnehmende, wertschätzende, zärtliche, wohlgesonnene seelisch-geistige und körperliche Zuwendung. Die Zuwendung wird zwischen zwei Menschen gegenseitig ausgetauscht, sie kann als eine Energie bezeichnet werden, die gegeben und empfangen wird."

Die Liebe - die Psychologie eines Phänomens, Peter Lauster




Herzsprung - von Heike Panzer




"Liebe wird auch aus Mut gemacht."

Sergio Bambaren



Zum Liebesgefühl in der Partnerschaft: Wir als Gesamtkomplex "Mensch" sind männlich und weiblich. Wir tragen beide Anteile in uns. C.G.Jung prägte den Begriff "Animus" und "Anima". Der Animus ist der innere, unbewusste, männliche Anteil der Frau, die Anima der innere, unbewusste, weibliche Anteil des Mannes.
Im Aussen haben Animus und Anima unmittelbaren Einfluss auf die Partnerwahl.
Aufgrund der äusserlichen Trennung von weiblich und männlich können wir uns "halb" fühlen. Der gegengeschlechtliche Anteil wird unbewusst auf den potentiellen Partner projiziert. Diese Projektion wirkt auf unsere emotionale Ebene. So fühlen wir Gefühle zum Partner. Umso mehr das Bild des Partners oder potentiellen Partners dem Animus, bzw. der Anima entspricht, desto stärker sind die Gefühle und umso emotionaler die gespürte Verbindung. Die Projektion lässt uns diese Anziehungskraft spüren, die stark wie ein Magnet sein kann. Sie hilft uns, einander energetisch zu verbinden, zusammen zu schwingen.

So betrachtet wären die Gefühle Projektion liebevoller Emotionen von sich zu sich selbst (nämlich zum eigenen Animus, bzw. Anima) über den Umweg des Partners oder potentiellen Partners, welcher Projektionsfläche ist.

In der realen Partnerschaft bleibt diese Projektion meisst bestehen. Wenn Paare anfangen, sich unüberwindlich zu streiten, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Beteiligten langsam ihre Projektion voneinander zurückziehen. Es ist aber auch ein Hinweis nicht erfüllter Erwartungen und Projektionen. Man nimmt dies als Persönlichkeitsveränderung des Partners wahr und wahrscheinlich folgt, wenn die Unterschiede zu gross werden, oder beide ihre Resonanz zueinander nicht mehr finden, irgendwann die Trennung.
Mehr dazu auf der Unterseite Erwartungen und Projektionen. In den meisten Partnerschaften legt jeder Beteiligte Wert darauf, sein Verhalten so auszurichten, um den Anderen zu gefallen. Man tut (oder unterlässt) Dinge, die man anders machen würde, wenn man allein wäre; aber man ist versucht, sich dem Partner zuliebe zu verhalten. Es lässt sich so eine ganze Weile miteinander leben, aber irgendwann bricht das immer grösser werdende Defizit hoch und man beginnt, Dinge wieder so zu tun, wie man sie am liebsten tut; die Masken fallen und der Partner erlebt es als "Persönlichkeitsveränderung", aber in Wirklichkeit kehrt der Betreffende zu seinem "So-sein" zurück; die Täuschung fliegt auf und es folgt die Phase der Ent-Täuschung.

Die Liebe verändert mit der Zeit in ihrer Struktur. Sie durchlebt mehrere Phasen. Die emotionalen Hochgefühle des Anfangs beruhigen sich und die Liebe wird tiefer. Viele meinen, dass es das Ende der Liebe sei, wenn diese Hochgefühle abebben und merken nicht, dass sich die Liebe in eine neue Ebene transformiert. Die Liebe ist nicht statisch. In ihrem Wesen ensteht sie immer wieder in einem neuen Augenblick neu. Es werden die Schatten offenbar, die nun eine liebevolle Grundlage zum Bearbeitetwerden bekommen haben. Leider beginnen Viele lieber, über neue Partner den "Kick" der Hochgefühle wieder neu zu erleben, statt es zu wagen, in die Tiefe zu gehen. Die "Liebe"; in Wirklichkeit Emotionalitätserleben, wird zur Droge. Wie bei anderen Süchten und Drogen auch, so verdeckt diese Droge erst einem allen Kummer und Schmerz, aber die Wirkung lässt irgendwann einmal nach und Schmerz und Leid brechen wieder durch.

Viele Partnerschaften werden als "Bedürfnisbefriedigungsanstalt" gehandelt. Da, wo Bedürftigkeit, Erwartung und Eifersucht ist, findet die Liebe keinen Platz. Wenn man das Bedürfnis hat, geliebt zu werden, so ist dies ein Bedürfnis und nicht Liebe. Der Unterschied zwischen Liebe und Bedürfnis kann man folgendermaßen erkennen: Liebe ist das, was loslässt, Bedürfnis ist das, was festhält.

Zum einseitigen Verliebtsein: Es gibt das Phänomen, das man sich verliebt, der andere sich aber nicht. Die Projektion ist einseitig. Die eine Person erkennt seinen Animus, bzw. Anima im "Objekt" des Verliebtseins; die andere Person, das "Objekt", hat aber keine Interesse, weil sie keine Entsprechung empfindet; also nicht projiziert.
Wenn der eine mehr liebt, als der andere: hier ist die Projektion des Einen stärker als die des Anderen.
Oft ist es so, dass beide Beteiligten verschiedene Ansichten darüber haben, was Liebe ist; vielleicht, dass die Liebesfähigkeit bei beiden unterschiedlich entwickelt ist, oder sie unterschiedliche Erwartungen haben.



Liebe ist Sein, Leben, Freiheit, Glücklichsein, Grenzenlosigkeit. Sie ist etwas, was man nicht haben kann. Man kann sie aber sein. Man muss sie nicht suchen, denn alles steckt in uns, wir brauchen bloss zu schaun, jederzeit. Das Sein lädt uns ein, jederzeit. Jetzt. Die Liebe ist der Weg "nach Hause".


Es gibt keinen Text auf dieser Homepage, den ich im Laufe der Jahre so oft verändert habe, wie meinen Text über die Liebe. Immer wieder mache ich neue Erfahrungen, habe neue Einsichten, merke, wie frühere Ansichten nicht mehr stimmig sind. So spiegelt sich das Leben, die Liebe, in ständigem Wandel und Veränderung. Lebendigkeit.

Text von Christian Malzahn


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Buchempfehlungen zu diesem Thema:



Ich habe ein sehr aufschlussreiches Buch zum Thema "Liebe" gefunden, welches viele meiner Gedanken widerspiegelt:

cover   Die Liebe. Psychologie eines Phänomens, Peter Lauster


Einige andere Informationen aus meinem Text stammen aus den Gespräche-mit-Gott-Büchern von Neal D. Walsch


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