Wiedergeburt

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Dem unbedarften Menschen zu erklären, was es mit Seele und Wiedergeburt auf sich hat, ist für mich keine leichte Aufgabe. Unser "westliches" Verständnis hat andere Prioritäten, als sich um seelische Angelegenheiten zu kümmern. So versuchen wir, die Seele aus psychologischer Sicht als eine Art nicht sichtbares funktionales Etwas anzusehen; Verhaltensmuster, Programme, Erinnerungen, Emotionen. Psychologie nimmt die Seele auseinander, ohne sie jedoch wirklich als etwas Lebendiges zu erfassen. Und die Pathologie versucht immer noch herauszufinden, wo denn nun die Seele im Körper sitzen könnte. Man geht in einigen Kreisen sogar davon aus, dass "Seele" nur ein biochemisches Erzeugnis ist; eine Spinnerei unseres Gehirns. Vielleicht werden wir über all die derzeitigen Ansichten in ein paar hundert Jahren herzhaft lachen. Falls die menschliche Rasse bis dahin überhaupt überlebt.



Altrhein am Abend

Was ist "Seele"?

Da ich hier als Mensch in der westlich-orientierten Welt lebe, so lege ich meine Ausführungen im Verständnis unseres kulturellen Gedankenguts aus. Es gibt viele Ansichten über das, was "Seele" ist. Für Einige ist es ein kirchlicher Begriff; etwas, was den Tod überlebt und je nachdem, ob man gut oder böse war, entweder in den Himmel kommt oder in die Hölle. Andere Kulturen sprechen von Seelenwanderung und Wiedereinkörperung.

Ich bezeichne "Seele" als jene Instanz in uns, die uns essenziell ausmacht; unser Sein, unsere Energie; etwas, was kein Anfang und kein Ende hat; also etwas Göttliches; "im Bilde Gottes", wie man so schön sagt.








Lebendigkeit

Setze Dich einen Moment. Ah, Du sitzt ja schon. Dann halte einen Moment inne. Atme ein paar mal tief durch. Dann spüre Dich. Diese Lebendige in Dir, in deinem Körper. Diese Lebendigkeit. Das Pulsieren. Du kannst dabei die Augen schließen oder geöffnet lassen. Spüre Dich. Das ist dein Sein. Deine Lebendigkeit. Deine Mit-Leben-Befülltheit. Spüre es in Deinem Körper, in Deine Armen, Beinen, Fingern, Füssen. DAS ist das LEBEN.


Westliche Ansicht

Von der westlichen religiösen Sicht ist die Seele etwas, was wir haben. Wir leben zufällig für ein einziges Mal als Mensch in einem Körper. Wir denken, dass der liebe Gott meint, dass wir zwar tun können, was wir wollen, aber wenn wir nicht nach den Liebe-Gott-Gesetzen leben, kommen wir in die Hölle. Der Himmel ist zwar für jeden uns ein erstrebenswerter Wunsch, aber dafür muss man sich ziemlich arg anstrengen, denn die Latte ist sehr hoch gesteckt.


Die unreligiöse Ansicht ist ziemlich pragmatisch. Sterben heißt: Licht aus. Ende. Nichts mehr.


Ist da vielleicht noch mehr?

Doch es mag sein, dass der Unreligiöse hin und wieder doch mal den Verdacht hat, dass da vielleicht doch nicht unbedingt das Licht aus ist. Aber was kommt dann?


Ich habe mich lange Jahre mit dem Thema "Seele und Inkarnation" beschäftigt; mir verschiedene religiöse Anschauungen betrachtet und komme zum Schluss: ja, "Seele" ist der immanente Teil von uns. Das Lebendige und ohne den Gedanken an Reinkarnation bleibt vieles nicht erklärbar. "Wiedergeburt" gibt es. Viele Menschen aus der nicht-westlichen Welt kommen gar nicht auf die Idee, Reinkarnation in Frage zu stellen; es gehört zu ihrem kulturellen Glaubensgut. Schlussendlich; alles, was wir hier in unserer Welt, in unserer Dimension erleben, ist erfüllt vom Kommen und Gehen, vom Leben und Sterben, vom Zerfallen und Wiederwachsen, Ebbe und Flut. Alles was das Leben betrifft, ist geprägt vom "Rise and Fall". Warum sollte ausgerechnet das Leben selbst eine Ausnahme darstellen?


Alles hat Rhythmus; alles was das Leben betrifft. Wo etwas entsteht, vergeht etwas und wo etwas vergeht, entsteht etwas. Alles IST Rhythmus. Es gibt nichts, was nicht in irgendeiner Form Rhythmus ist. Deshalb nochmal die gerade gestellte Frage: wieso sollte dieses Gesetz ausgerechnet beim Thema "Geburt und Tod" ausgehebelt sein? Ich habe Einiges dazu in meinem Text über den Tod geschrieben.


Körper - Seele - Geist

"Seele" kann man als Individuation des Göttlichen Geistes sehen. Auch wenn sie in ihrer Struktur grenzenlos ist und bleibt, so macht sie mit Hilfe des "Ich" die Erfahrung subjektiver Begrenzung, wenn sie in einem Körper geboren wird (=inkarniert). Sie komprimiert sich zum "Ich"; begrenzt sich, um in Erfahrung zu gehen; ermöglicht durch das Eintreten in jene Welt, in der wir uns befinden. Die Seele, Teil des universellen Göttlichen Lebens, schöpft daraus ihre Energie aus dieser Quelle und benutzt die Hilfsmittel bzw. Werkzeuge "Körper" und "Geist", um bestimmte Erfahrungen zur Gestalt zu bringen.

"Seele" das sind wir vom Ursprung her; "Körper" und "Geist" benutzen wir, zum Erfahren und Erleben und um erkennen zu können, wer oder was wir sind. Dieses "Sich-Selbst-Erfahren" produziert hier auf unserer Ebene das "ich". So gesehen steckt die Seele nicht im Körper sondern es ist genau umgekehrt; unser Körper steckt in unserer Seele, als temporärer, begrenzter und verkleinerter Ausdruck von uns.


Die Ebene der Relativität

Die materielle Ebene ist die Dimension der Polarität, der Ambivalenz, der Auf-Spaltung, die Welt der Projektionen, die Spiegel-Welt. Der Sprung in die Materie ist der Sprung aus dem puren, in sich ruhenden Sein in die Er-Fahrung. Nicht-erfahrenes Wissen ist nicht vollständig. So suchen wir (=unsere Seele, unser Selbst) die Eben der Erfahrung aus, um uns einzukörpern und Wissen lebendig erfahrend werden zu lassen.
Da wir als Seele den Wunsch nach bestimmten Erfahrungen haben, so erschaffen wir uns die Plattform dazu; die Umstände, in die wir uns hinein gebären lassen und machen die genau individuell auf uns zugeschnittene Erfahrung. Wir geben uns die Chance zur spirituellen Entwicklung; unsere eigentliche Lebensaufgabe.


Inkarnation

Jedes Mal, wenn wir hier herkommen, legt sich der Mantel des Vergessens um uns. Wir vergessen, dass wir von Nichts getrennt sind und nie getrennt sein werden; die Trennung von Gott (das Grenzenlose Ewige Alles). Das Vergessen hat Sinn. Wäre uns von vornherein bewusst, dass wir von Nichts getrennt sind, wären wir nicht in der Lage, die Erfahrungen zu machen, die wir machen. Dieses "Vergessen" zeugt von unserer göttlichen Genialität; es ist das "i-Tüpfelchen" unserer Schaffenskraft: wir sind göttliche Wesen und haben es geschafft, dass dermaßen zu vergessen, dass wir das sind, sodass wir glauben, wir seien getrennt von allem. Eine absolut meisterliche Leistung! Die Trennung ist eine Illusion und wer diese Illusion durchschaut, erkennt, dass nichts voneinander getrennt ist. Alles ist aus ein und demselben. Wer das erkennt, erfährt Liebe. Alle Angst, Kampf, Wut, Zorn hören auf. Und dann beginnt eine neue Phase des Erlebens: die Ektase des Erschaffens.


Wir inkarnieren wieder und wieder. Und jedes Mal nehmen wir etwas mehr erlebte Erfahrung mit. Immer wieder erleben und erfahren wir neue Aspekte. Es ist ein stetiges Wachsen und Reifen. Jeder durchlebt viele Aspekte ... und erfährt so die schönsten Erlebnisse, als auch die tiefsten Abgründe ... mal in aktiver Rolle oder ein andermal passiv. All die Erfahrungen machen wir, um zu leben, was wir sein möchten und um uns zu erinnern, wer wir wirklich sind. Wir probieren in allen Varianten aus, wie es funktioniert und wie es nicht funktioniert. Wichtig zu wissen ist, dass wir für all unser Handeln selbst verantwortlich sind und alles, was wir tun, für uns Konsequenzen hat. Deshalb ist es wichtig, sich so bewusst wie möglich über sein Handeln zu sein, denn mit unserem Handeln schaffen wir "Karma". Karmische Energien schwingen über Inkarnationen hinweg. Es kann sein, dass wir in mehreren Inkarnation Folgen unseres Handels "ab-arbeiten".


So wie die Seele zur Individuation in die Ebene der Relativität eintritt, so verlässt sie dieses wieder, um dann erneut wieder in neuer Form in die Relativität einzutreten. Dieser Prozess, "Leben" genannt, ist wiederkehrend, weil es dem Sehnen des Göttlichen entspricht, sich immer wieder in seine unendlich vielen Aspekten in Erfahrung zu bringen, um sich selbst immer wieder neu und in neuen Formen selbst neu zu erschaffen zu erkennen und sich in mannigfaltigsten Formen selbst immer wieder neu und von neuem erfährt.


Bewusstsein schaffen

Wir sind erkennende Wesen und schaffen neues Bewusstsein durch das Erfahren. Ohne uns würde das Göttliche, das reine Sein, weiterhin im unbewegt im ewigen und zeitlosen Zustand ruhen. Gott hat uns erschaffen, nach seinem Bild, damit er sich durch uns selbst erkennen kann; heißt es.
In diesem Gedanken kristallisiert sich eine sehr wichtige Aufgabe: erfahrendes Bewusstsein schaffen.
Lernen wir, uns selbst zu lieben und zu achten, so können wir dies nach "draussen" übertragen; zu unseren Mitmenschen und zu unserer Umwelt. Wenn wir uns nicht selbst lieben und achten, können wir auch nicht wirklich das lieben und achten, was um uns ist, denn wir wüssten gar nicht, was "lieben und achten" tatsächlich bedeutet. Wir lernen miteinander und aneinander, denn jeder andere Mensch spiegelt Aspekte unserer selbst. Es wäre nicht intelligent, diesen Spiegel zertrümmern zu wollen.


Werden wir unseres Potentials bewusst! In uns steckt nicht nur "Gutes", sondern auch tiefster Schatten. Wir können diese unsere Schatten noch so vehement von uns weisen; sie sind trotzdem da. All das Grauenhafte und Schreckliche, das wir da draußen wahrnehmen, ist ein Gefühl des Getrennt-von-allem-Seins und es steckt auch in uns; es ist Teil unseres Potentials; wir als Kollektiv haben es erschaffen. Nicht zu vergessen, dass jeder Schattenanteil auch eine Botschaft für uns hat. Alles Erlebte ist ein Erfahrungen des Göttlichen und es hat alles erschaffen. Was wir allerdings davon manifestieren, dass liegt bei uns. Sich des Potentials bewusst zu sein, bedeutet nicht und rechtfertigt auch nicht, achtlos und rücksichtslos zu sein. Nein, im Gegenteil; vielmehr lässt uns das Bewusstsein über dieses Potential und die Einsicht, dass wir in Wahrheit alle aus Einem hergehen, achtsam und liebend werden, denn wir sind mit allem verbunden. Alles was wir anderen antun, tun wir uns selbst an.


Mehr zum Thema "Schatten" auf der Unterseite Licht und Schatten.





Text von Christian Malzahn

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Quellen und Buchtipps zum Thema:




cover   Schöpferisches Bewusstwerden, Edward F. Edinger


cover   Traumzeit, Marlo Morgan


cover   Gespräche mit Gott, Bd.1 - Ein ungewöhnlicher Dialog, Neale Donald Walsch


cover   Gespräche mit Gott, Bd.2 - Gesellschaft und Bewusstseinswandel, Neale Donald Walsch


cover   Gespräche mit Gott, Bd.3 - Kosmische Weisheit, Neale Donald Walsch


cover   Neue Offenbarungen, Neale Donald Walsch


cover   Schicksal als Chance, Thorwald Dethlefsen


cover   Das Erlebnis der Wiedergeburt, Thorwald Dethlefsen


cover   Der Tanz des Selbsts - unglaubliche Begegnungen zeitreisender Inkarnationen, Patricia Eilert

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